Kleidung von Kossmann

Kleidung die in Deutschland oder Europa produziert wird, hat immer noch Seltenheitswert. Dies können nur Idealisten mit einem gewissen Anspruch an Material, Qualität und Ethik sein. Denn wer billig produzieren möchte, um mehr Gewinn abzuschöpfen, der lässt irgendwo in Asien produzieren.

Kossmann LogoDie Firma

Die Firma Kossmann gehört zu dem Kreis, die Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Der Firmen Inhaber und Gründer André Kossmann ist selber ambitionierter Läufer und weiß daher daher wo in diesem Fall nicht der Schuh, sondern eher die Kleidung drückt.

Produziert wird in Deutschland und Ungarn, die Materialien kommen aus Europa. Betont wird hierbei auch das partnerschaftliche Verhältnis zu den Zulieferern. Da zu den Zulieferern ein jahrelanges Verhältnis besteht, wird eine gleichbleibende Qualität erreicht, egal ob Reisverschluss oder Stoff. Denn an erster Stelle steht die Qualität des Produktes und nicht die Einsparung von ein paar Cent für die Gewinnmaximierung.

Da das Mittelständisches Unternehmen nicht für den Massenmarkt produziert, ist die Verbreitung bzw. der Bekanntheitsgrad nicht so hoch. Dies ist schade, denn es gibt genügend Läufer, die gerne etwas mehr in Qualität investieren, insbesondere wenn dahinter Attribute wie “Fair und Nachhaltigkeit” stehen. Einen Qualitätsunterschied spürt man nicht unbedingt, wenn man nur 5 oder 10 km läuft, aber bei Strecken die Richtung Halbmarathon gehen, gibt es dann schon Unterschiede. Wie sitzt das Shirt, wenn es nass geschwitzt ist, kühlt der Rücken aus, werden die Brustwarzen blutig gerieben usw. Und hier trennt sich dann die Spreu vom Weizen.

Die Philosophie

Die Philosophie der Firma ist entsprechend ihren Ansprüchen, dass Design muss der Funktionalität folgen und nicht umgekehrt. Saisonale Trends sucht man in der Kollektion vergebens, das Design ist eher schlicht und unaufdringlich. Zur Philosophie der Firma gehören ebenfalls die Rahmenbedingungen der Produktion, so wird z. B. nach Ökotex 100 produziert.

Das die Funktionalität an erster Stelle steht, sieht man insbesondere an den Jacken wie z. B. an der Palatina Jacke. Während andere Jacken aus einheitlichen mehr oder weniger atmungsaktiven Gewebe bestehen, wird hier unterschieden, wo schwitzt man viel und wo braucht man einen guten Regen- und Windschutz.

Die Läufermütze

Kossmann - Laufmütze

Die Mütze ist mit folgenden Eigenschaften angegeben:

  • Minusgrade bis +10 °C
  • Kein Wind- und Wasserschutz
  • 50 % Wolle
  • Einheitsgröße

1. Test

Die erste Bewährungsprobe hatte sie unter idealen Testbedingungen, die Temperatur lag anfangs bei 7 °C und viel dann zwischendurch bei Starkregen mit kräftigen Wind auf 4 °C.

Da die Mütze nicht mit den Attributen “Wasser- und Windschutz” aufwarten konnte, war ich gespannt gewesen, wie sie sich bei dem ungemütlichen Wetter schlägt.

Auf der 21 km Runde gab es keinen Hitzestau und ebenfalls war sie so winddicht gewesen, dass der Kopf nicht auskühlte oder es irgendwie unangenehm wurde. Selbst beim Platzregen mit kräftigen Wind blieb der Kopf angenehm temperiert und fühlte sich trocken an.

Bei vielen Mützen habe ich das Problem, dass nachdem Laufen, wenn man noch ein paar Hundert Meter als “cool down” geht, dass dann die Verdunstungskälte massiv zuschlägt und es sehr kalt auf der Kopfhaut (Glatze) wird. Mit dieser Mütze trat der Effekt nicht auf.

2. Test

Der nächste Test erfolgte bei 4 °C und strömenden Regen. Ein Tempolauf in knapp über Halbmarathon Renntempo. Auch hierbei gab es keine Überhitzung des Kopfes, ebenso kam die Nässe nicht durch. Einfach perfekt und ausgewogen.

3. Test

Auch bei weiteren Tests um den Gefrierpunkt war alles super gewesen, stets was das Klima angenehm gewesen.

4. Test

Die Klimatisierung funktioniert so gut, dass selbst bei einem 10 km Wettkampf mit -1 °C, wenig Wind, keine Stau-Hitze erzeugt wird und man die Mütze lüften muss. Vor allem bin ich davon begeistert, dass nachdem Lauf der Kopf aufgrund der Verdunstungskälte nicht auskühlt.

Fazit 

Stärken

  • Sehr guter Wind- und Wasserschutz, auch wenn die Produkteigenschaften etwas anderes suggerieren. 😉
  • Angenehmer Stoff
  • Kein Hitzestau beim Laufen
  • Kein Auskühlen des Kopfes nach dem Laufen (Verdunstungskälte)

Schwächen

  • Auch wenn sie als Einheitsgröße relativ gut sitzt, also nicht zu stramm ist und die Ohren relativ gut abgedeckt sind, so schaut doch der untere Teil vom Ohr immer wieder heraus. Und da frage ich mich schon, warum es nur wenige Hersteller gibt, die diesem Bereich etwas mehr Stoff zuweisen. Der Schnitt der Mütze kann ja so bleiben, aber einfach nur im Bereich der Ohren ein Stück Stoff in der Form eines Halbkreises anbringen und schon wäre das eine Mütze mit dem gewissen Etwas und dann perfekt.

Getestet: November 2017

1.5 Palatina Laufjacke

Kossmann - Palatina JackeKossmann - Palatina JackeDie Palatina Jacke, mit einer UVP von 180 €, ist von der Idee genial durchdacht. Nicht alles über einen Kamm scheren, wie man so schön sagt, sondern zu schauen, in welchem Bereich brauche ich was.

Materialeigenschaften

Der rote “Bereich” kennzeichnet dabei den atmungsaktiven Teil aus weichen Fleece; der dafür verantwortlich ist, dass ein Hitzestau vermieden wird. Der graue Bereich ist der Wetterschutz, der 100 % winddicht und wasserabweisend ist.

Bei einer angegebenen Wassersäule von 12.000, kann man auch von wasserdicht sprechen. Beide Materialien fühlen sich sehr angenehm an, Innen wie Außen.

Kossmann - Palatina

Mit 360 gr. gehört sie nicht zu den Leichtgewichten. Damit hat sie das doppelte Gewicht und das doppelte Packmaß, wie meine einfache Wind-/Regenjacke.

Pflege

  • waschmaschinentauglich bei max. 30 °C mit Feinwaschmittel
  • Zum Trocknen aufhängen

Sitz der Jacke

In der Gr. XL passt sie mir mit 186 cm, schlank, sehr gut. Der Schnitt ist angenehm, weder schlabbert es, noch ist man die Wurst in der Pelle. Auch die Anatomie der Ärmel gefällt mir gut; nicht zu weit, nicht zu eng. Entsprechend gut schließen auch die Bündchen ab. Viel Wert legt die Firma u. a. auch auf den Reißverschluss und den Unterschied merkt man durchaus gegenüber anderen Jacken, er fühlt sich griffiger und robuster an. Wird es schattig und man möchte den Kragen ganz schließen, dann hat der Hals trotzdem noch soviel Platz, dass kein beengendes Gefühl auftritt. Anatomisch ist hier ein gutes Mittelmaß gefunden worden, nicht zu eng, nicht zu weit. Der Rücken ist minimal länger geschnitten. Praktisch sind die jeweils 2 Innen- und Außentaschen. Die Außentaschen sind mit dem Reißverschluss sehr gut abgedeckt; Innen sind die Taschen offen, so wie man es häufig auch von Westen kennt.

1. Test

Beim Loslaufen mit 7 °C war es noch trocken gewesen, nach einer guten halben Stunde setzte dann Starkregen und kräftiger Wind für ein längeres Stück ein und es kühlte ein paar Grad ab.

Jacke aus dem Rucksack geholt und schnell angezogen. Da ich bis dahin mit Winter-Trikot gelaufen bin, hatte ich die Befürchtung, dass es nun Innen zu warm und irgendwie unangenehm werden würde. Der Wind- und Wetterschutz war super und Innen herrschte trotz mehrerer Uphills eine angenehme Temperatur, so als wenn ich ohne Jacke bei Windstille weitergelaufen wäre. Auch der Lauf-Rucksack machte sich auf der Jacke nicht negativ bemerkbar.

Nur an den Armen war ein gewisse Feuchtigkeit zu merken, die aber nie unangenehm vom Gefühl wurde.

2. Test

Ein Tempolauf bei 4 °C in strömenden Regen. Beim 8 km Lauf in knapp über dem Halbmarathon Renntempo blieb die Temperatur trotz Winter-Trikots angenehm; warm, aber nicht zu warm. Ein dünneres Langarm-Trikot wäre ausreichend gewesen.

Mein Singlet war nur leicht angeschwitzt und somit war das Winter-Trikot vorne und hinten sogar trocken gewesen. In Anbetracht eines Tempolaufes finde ich das schon beeindruckend. Im Bereich des roten Stoffes von den Jackenärmeln waren allerdings die Ärmel vom Trikot sehr feucht geworden. Die Nässe von den Jackenärmeln wurde also komplett an die Trikot-Ärmel durchgereicht. Positiv anzumerken ist, dass es trotz der Nässe keine Auskühlung gab.

Kossmann - Jacke3. Test

Die Wetterbindungen waren heute beim Lauf sehr angenehm gewesen, etwas Wind 0 °C.

Die Temperatur in der Jacke war mit Singlet und Winter-Trikot wieder angenehm gewesen, sowohl beim Warmlaufen, während des Laufens und auch nach dem Lauf das letzte Stück nach Hause gehend.

Laufe ich ohne Jacke, dann merkte ich stets eine gewisse Auskühlung im Brustbereich, mit der Jacke alles Top, was ja auch durch den Windschutz auf der Vorderseite logisch ist.

Gemerkt hat man aber eindeutig, dass der Bereich der Bizeps von vorne relativ ungeschützt durch den Fleece im Wind steht. Es wurde zwar nicht kalt, aber der Temperaturunterschied war deutlich wahrnehmbar. Daheim fühlten sich die Oberarm aber trotzdem normal an, also nicht kalt.

Auf dem Bild rechts sieht man wie der rote Stoff den Wetterverhältnissen von vorne ausgesetzt ist.

Einsatzgebiete der Jacke

Der Hersteller gibt als Einsatzgebiete Laufen, Wandern, Ski-Langlauf für die kalte Jahreszeit (< 12 °C) an.

Die Jacke ist keine klassische Regenjacke, denn dafür sind die Ärmel zu ungeschützt. Bei Regen werden die roten Ärmel nass und das Trikot in diesem Bereich ebenfalls. Positiv anzumerken ist, dass sich der nasse Stoff auf dem Arm noch angenehm anfühlt und es mit Funktionswäsche darunter keine Auskühlung gibt.

Ich sehe daher die Jacke bei folgenden Szenarien:

  • Zusätzlicher Kälte und Windschutz als 3. Layer,
  • Nebel oder geringe Feuchtigkeit,
  • Schnee,
  • Ruhiger Sport wie Wandern, Radfahren
  • Anstrengender Sport wie Laufen, Langlauf, etc.

Betrachte ich die Jacke ausschließlich unter dem Gesichtspunkt “Regenjacke”, dann fällt sie aufgrund der nassen Ärmel durch. Insbesondere wenn man viele Stunden im Regen unterwegs ist und hier noch einmal einen besonderen Schutz gegen Auskühlung benötigt. Hier ist eine andere Jacke, die dann gegebenenfalls weniger atmungsaktiv ist besser, als durchnässte Ärmel.

Was könnte man besser machen?

Für eine Profijacke muss man andere Maßstäbe anlegen, als billig um die Ecke, entsprechend möchte ich an dieser Stelle ein wenig Kritik äußern. 

  • Beim Wetterschutz an den Armen, ist dieser nur seitlich außen angebracht. Kommen Regen und Wind z. B. von rechts, dann hat der linke Arm Innen einen geringeren Wetterschutz da hier das atmungsaktive Gewebe Wind und Regen ausgesetzt ist. Ein Schutz von beiden Seiten (Innen und Außen), sowie von oben wäre geschickter und dafür den atmungsaktiven Teil nur unten anbringen.
  • Ein Laufjacke für schlechtes Wetter, sollte in meinen Augen immer auch ein paar Reflektoren haben. Eventuell könnte man dies z. B. zwischen den verschiedenen Stoffen anbringen.
  • Im Vergleich zu einigen anderen Jacken kann man das Packmaß nicht als klein bezeichnen, aber noch akzeptabel, dies können andere Hersteller durchaus kleiner. Da aber andere Materialien eingesetzt werden, mit anderen Eigenschaften, wird man hier wohl Komfort geben Packmaß gegeneinander aufwiegen müssen. Ein sehr guter Trailrunner sagte mal: Wenn die Profis 6 h unterwegs sind, dann können sie andere Materialien verwenden, als jemand der 9 oder 12 h unterwegs ist. Wer länger unterwegs ist braucht mehr Komfort im Sinne von mehr Sicherheit, denn es ist ein Unterschied, ob man schlechtem Wetter 1 h oder 5 h ausgesetzt ist. Entsprechend muss man länger gegen Auskühlung durch Regen, Wind, Kälte geschützt sein.

Fazit 

Ein faires Fazit zu ziehen ist nicht einfach, denn es hängt vor allem davon ab, ob die Schwächen für einem selber relevant sind. Wer die Jacke immer nur tagsüber bei trockenem Wetter aus dem Schrank holt, dem interessieren weder Packmaß, noch Leuchtstreifen oder ein ausgeprägter Nässeschutz an den Armen.

Stärken

  • Sehr angenehmer anatomischer Schnitt, weder zu weit, noch zu eng am Oberkörper und den Armen
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Gutes Wetterschutz im Brustbereich
  • Angenehmes Innenklima; nicht zu warm, nicht zu kalt

Schwächen

  • Für Läufer mit einem kl. Lauf-Rucksack, kann das Packmaß für die Jacke ein K.O. Kriterium sein. Denn insbesondere bei Ultra-Distanzen in den Bergen zählt nicht nur jedes Gramm, sondern die gesamte Pflichtausrüstung muss gut untergebracht werden. Wird es eng im Rucksack, muss man sich entscheiden, ob man einen einfachen Wetterschutz mitnimmt oder das gute Stück. Diese Entscheidung hätte man nicht bei weniger Gewicht und geringeres Packmaß.
  • Regenwetter gleich schlechtes Wetter und somit wird man nicht gut gesehen. Entsprechend gehören für mich ein paar reflektierende Streifen einfach dazu. Keine reflektierenden Streifen zu verwenden, ist im Sinne von “einem Beitrag zu passiver Sicherheit” nicht nachvollziehbar. Insbesondere in der Winterzeit kommt man immer wieder in die Dunkelheit hinein.
  • Rote Ärmel sind bei Dauerregen durchnässt und nasser Stoff ist nicht atmungsaktiv, außerdem ist der Windschutz in diesem Bereich nur sehr gering. Wer es komplett wasserdicht mag, der kann zum 2.5 Modell zugreifen.

Getestet: Dezember 2017

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