Achillessehnenentzündung

Achillessehnenentzündungen, -verletzungen und -beschwerden sind häufig individuell sehr unterschiedlich, daher gibt es auch nicht das eine Erfolgsrezept. In der Regel kann man aber davon ausgehen, dass es Wochen dauert das Problem in den Griff zu bekommen und manchmal sogar Monate.

Die Achillessehne

Die Achillessehne ermöglicht das Abrollen des Fußes und ist die dickste Sehne im Körper. Beschwerden können auf der gesamte Länge auftreten, vom Anfang der Sehne bis in den Wadenmuskel hinein. Der verletzte Bereich ist dabei sehr druckempfindlich und kann auch geschwollen sein.

Betroffen sind überproportional Läufer mit Hohlfuß und Supinierer (Fuß auf der Außenkante aufsetzen), da hier permanent die Achillessehne schon eine hohe Grundspannung hat. 

Auslöser

Laufverletzungen werden in der Regel immer durch Überlastungen hervorgerufen. Bei dem einen ist es das Knie, beim anderen der Muskel, die Sehne etc.

Eine Überlastung muss aber zwangsläufig nicht einfach nur durch zu viel oder zu hartes Training hervorgerufen werden, sondern kann auch andere kausale Zusammenhänge bedeuten.

Auslöser können demnach auch nicht geeignete Schuhe sein, dies hat nichts mit dem Preis zu tun. Es nützt nichts einen 180 € Schuh am Fuß zu haben, wenn er für deinen Fuß und dein Bewegungsmuster nicht geeignet ist oder auch die Sohle zu hart ist; denn auf zu harte dauerhafte Stöße kann die Achillessehne ebenfalls gereizt reagieren.

Nur weil der Fuß ein Problem hat, muss er nicht gleichzeitig auch die Ursache sein. Durch Beckenschiefstand oder Dysbalancen in der Muskulatur kann sich das Problem im Fuß als pers. Schwachstelle manifestieren.

Durch das Abknicken der Sehne bei den Supinieren wird die Sehne im unteren Bereich besonders strapaziert.

Ganz wichtig ist, die Ursache für die Achillessehnenreizung zu finden. Hat man zu viel trainiert, zu hart, zu viele Höhenmeter, zu wenig regeneriert, zu viel Umfang, neue Schuhe usw., um die nächste Entzündung zu vermeiden.

Bis sich die Überlastung in der Sehne bemerkbar macht, können zwischen dem eigentlichen Auslöser und dem Schmerz Wochen vergehen. Irgendwann ist das Fass voll und die Sehne schmerzt.

Die Videoreihe von Luke Brandenburg finde ich sehr gut, denn er veranschaulicht sehr gut die Zusammenhänge und zeigt nicht einfach nur ein paar Übungen.

Med. Behandlungsmethoden

Ultraschall

Für Kassenpatienten wird in der Regel Ultraschall und Krankengymnastik verschrieben. Bei der Krankengymnastik wird sanft die Achillessehne massiert.

Stoßwellen

Man liest sehr viel gutes über Stoßwellen, die von der priv. Krankenversicherung übernommen werden, aber leider nicht von der gesetzlichen. 1x Therapie kostet ca. 80 € und von 6-8x kann man ausgehen; für die komplette Behandlung ist man also schnell 500 € los.

Kortison

In wenigen Fällen wird Kortison gespritzt, davon wird in der Regel aber intensiv abgeraten, da hierdurch eine erhöhte Gefahr eines Sehnenabrisses besteht.

Was hilft sonst noch?

Training

Sämtliche Belastungen aus dem Training herausnehmen, also kein Hügel-Training, kein Speed, keine langen Läufe. Spätestens wenn es anfängt weh zu tun, das restliche Stück nur noch gehen bzw. sofortiger Trainingsabbruch.

Dehnen

Neben dem klassischen Dehnen der Wade ist hier insbesondere das exzentrische Dehnen sehr, sehr wichtig. Wenn die Sehne sehr verletzt ist, dann würde sie unter dem Mikroskop wie Spaghetti aussehen; durch das exzentrische Dehnen sollen die “Nudeln” wieder in die Ausgangsform gebracht werden.

Exzentrisches Dehnen führt man z. B. an einer Treppenstufe durch, beide Beine hängen lassen, dann ein Bein etwas anwinkeln, so dass dadurch das andere weiter gestreckt und gedehnt wird. Eine Weile halten, so lange wie es angenehm ist, dann beide Beine wieder waagerecht, hängen lassen, dann das andere Bein. Häufig wird hierbei zur gleichzeitigen Kräftigung der Waden noch empfohlen sich auf die Zehenspitzen zu stellen, diese Belastung kann aber zu hoch sein für die Achillessehne und würde ich daher im Verletzungszeitraum nicht machen.

Kühlen

Kühlen hat bei mir gar nicht geholfen und würde ich auch nur so lange machen, wie der Schmerz akut ist.

Wärme

Die Sehne ist schwach durchblutet, um die Durchblutung anzuregen habe ich daher eine Wärmflasche unter die Achillessehne gelegt.

Schmerzsalben und Natursalben

Weder mit Voltaren und ähnlichen Schmerzsalben, noch mit Natursalben wie Ringelblume merkte ich eine Verbesserung oder Linderung.

Socken

Die Achillessehnensocken von Falke (Bericht) können mit ihren Noppen helfen bzw. ein Laufen ermöglichen.

Laufanalyse

Ich empfehle eine professionelle Laufanalyse in einem orthopädischen Fachgeschäft (80-100 €). Bei der Analyse wird ganz genau geschaut und auch vermessen wie man Barfuß und wie mit den mitgebrachten Laufschuhen läuft. Hierüber können mögliche Probleme aufgezeigt werden. Als Ergebnis sollte man schriftlich entsprechende Empfehlungen für Übungen mit auf dem Weg bekommen, ebenso nach Möglichkeit auch eine Schuhempfehlung bzw. eine Beurteilung, ob die derzeitigen Schuhe für einem geeignet sind.

Mobility

Am Bein hängt nicht nur der klassische Wadenmuskel, sondern noch weitere Muskeln, die mit einer hohen Zugspannung an der Achillessehne ziehen können. Es gilt daher hier die Muskelspannung zu reduzieren ebenso die Dysbalancen zu eliminieren.

Blackroll

Von Blockroll gibt es eine kleine Rolle, um damit die Achillessehne zu massieren. Die “MED“-Rolle (grün) finde ich angenehmer, als die klassisch schwarze, um damit die Muskulatur zu rollen oder auch zu triggern (Mit der Rolle Druck auf eine schmerzhafte Stelle in der Muskulatur ausüben)

Pause?

In der akuten Phase macht Laufen keinen Sinn, aber wenn morgens beim Aufstehen die Sehne nicht mehr weh tut, kann man ein leichtes Training auf einer kurzen Strecke wieder versuchen und sehr langsam dann steigern.

Eine 4wöchige Pause hat bei mir mal gar nicht geholfen, mit leichten Training wieder angefangen und trotzdem beschwerte sich die Sehne schon bald wieder. Ein leichtes, kurzes Training ohne Belastung, was schmerzfrei durchgeführt werden kann, war ein anderes Mal erfolgreicher gewesen.

Alternative Sportarten

Alles was die Sehne belastet scheidet aus, aber da jeder Fall anders ist, hilft nur ausprobieren.

Fahrradfahren

Fahrradfahren geht in der Regel sehr gut, aber nicht unbedingt längere Anstiege, da sich der höhere Druck auf die Pedale sich dann auch in der Achillessehne bemerkbar macht und auch nicht zu lange.

Schwimmen

Eigentlich eine schöne Sache, da hierbei die Achillessehne sanft bewegt und massiert wird. Mit kleinen Einheiten ausprobieren, ich habe manchmal nach dem Training die Sehne gemerkt, aber alles noch im normalen Rahmen.

Crosstrainer

Kein Problem, da der Fuß auf dem Pedal bleibt und somit keine Stoßbelastung hat. Langsam an Zeit und Watt Belastung herantasten.

Gute Besserung  🙂

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2 Antworten zu Achillessehnenentzündung

  1. Mathias sagt:

    Hallo, auch ich habe seit Jahren Probleme mit der Achillessehne.
    Salben haben bei mir auch nicht geholfen.
    Ich denke bei mir war/ist wirklich das Problem der Dehnung.
    Ich konnte z.b. die Russenhocke nicht. Alles in der Sehne viel zu versteift.
    Pausen haben auch nichts gebracht, ich haben ein halbes Jahr Pause gemacht und die Probleme waren sofort wieder da.
    Was am Anfang super half waren Fersenkeile. Mittlerweile halfen die auch nicht mehr.
    Dehnen war prima, aber ich habe es nie geschafft die Russenhocke hinzubekommen.

    Eine kleine Änderung gab es als ich mir eine Schiene kaufte die den Fuss aktiv nach oben stellt.
    Wenn ich längere Zeit am Computer bin trage ich diese Schiene bis es unangenehm wird und wechsle dann den Fuss.
    Die Dehnung ist prima, seitdem kann ich die Russenhocke..nicht elegant..aber es geht.

    Problem war nur, am Morgen tat mir die Achillessehne weh. In der Nacht klappen die Füße nach unten, wenn man dann am Morgen aufsteht und die Füße wieder belastet, kommen wieder die Schmerzen.

    Ich habe jetzt wieder Geld in die Hand genommen und mir für beide Füße Bandagen gekauft, die die Füße etwas nach oben drücken..ähnlich der Schiene aber wesentlich angenehmer für die Nacht.
    Folge ist, das die Schmerzen am Morgen fast nicht vorhanden sind.
    Seitdem geht es aufwärts, auf der Ebene kann ich schon wieder laufen, am Berg braucht es wohl noch etwas Dehnung.

    Ich denke meine Tipps sind nicht auf jeden Fall übertragbar, aber vielleicht helfen sie.

    Grüße

    • Guido sagt:

      Hi Mathias,
      Danke für deine Erfahrungen.

      Sehnen brauchen Monate für die Anpassung, da braucht man wirklich viel Geduld, insbesondere wenn sie keine Dehnung durch andere Sportarten gewohnt sind.

      Die Russenhocke halte ich nicht nur für die Sehnen wichtig, sondern auch für die Dehnung des Rückens.
      Wenn man erst den Rücken dehnt (Finger zum Boden) und die Waden an der Stufe dehnt, geht es leichter.
      Anstatt Hilfsmittel zu nehmen, gehe ich lieber in die Russenhocke und halte mich am Tischbein fest. So kann man sich auch mal kurz auf der Arbeit zwischendurch dehnen.

      Solange die Achillessehne entzündet ist, würde ich keine Tempo- und Bergläufe machen, da hierbei die Belastung sehr viel größer ist.

      Der morgendliche Schmerz durch die verspannte Sehne ist immer noch ein deutlicher Hinweis, dass man langsam machen sollte!

      Hast du es schon mal mit Tapen versucht, auf https://www.truetape.de gibt es gute Anleitungen?

      Fersenkeile bewirken natürlich eine Entlastung der Sehne und sie muss sich dadurch weniger dehnen. Dies wird schnell kontraproduktiv, denn man möchte ja schließlich auch wieder ohne laufen können und durch die neue Streckung werden sogleich Sehne und Wade wieder massiv gedehnt.
      In dem Buch “natural running” rät Dr. Marquardt auch extra von Keilen und ähnlichem ab.
      Die wichtigste Übung ist “exzentrisches Dehnen”. Solange die Sehne belastet ist, würde ich immer nur bis in die Waagerechte wieder hochgehen, beide Füße an der Stufe hängen lassen und dann abwechselnd die Füße durchhängen lassen.

      Man muss den Körper als ganzes wahrnehmen und auch nach den Ursachen suchen.
      Es muss ja nicht immer von einer klassischen Überbelastung kommen. Bänder und Sehen gehen teilweise von der Hüfte bis in den Fuß, dementsprechend wirkt sich ein Hüftschiefstand genauso auf den Fuß bzw. Achillessehne aus wie ein verspanntes IT-Band (iliotibialis Band, Außenseite Oberschenkel)

      Von den üblichen Schuhen mit hoher Sprengung bin ich ganz weg. Angefangen von 8 mm über 4 mm (findet man bei Saucony) nun bei 0 mm (Altra).
      Für diesen Prozess sollte man sich mind. 1 Jahr Zeit nehmen und schon langsam machen.

      Grüße, gute Besserung und viel Geduld
      –> nur nichts erzwingen!
      Guido

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