Läufer sind sexy

Nach “100 km für ein Bier” (Rezension), folgte 2017 das 2. Buch “Laufen bis es knallt” (Rezension) von Joe Kelbel (Homepage). Jedes Buch hat seinen eigenen Schwerpunkt, im 1. das Finisher-Bier und im 2. “Pleiten, Pech und Pannen”. Während in den ersten beiden Büchern klar ist, wohin die Reise geht, bin ich bei seinem 3. Buch “Läufer sind sexy” ratlos.

Auf was mag er wohl sein Augenmerk richten? Es geht garantiert nicht um ein heißes Dress beim 5 km Lauf. Und nach einem Marathon oder gar Ultramarathon und insbesondere nach einem harten Trail Lauf, sieht man vermutlich mehr verwegen oder halbtot aus, aber bestimmt nicht sexy.

Das Buch “Läufer sind sexy” erschien im Sommer 2019 im mainbook-Verlag, es Buch hat über 200 Seiten und zahlreiche Bilder.

Joe Kelbel

Beruf: Läufer (seinen erlernten Beruf hat er an den Nagel gehängt)

Er reist von Land zu Land und nimmt an bekannten und meistens völlig unbekannten Marathon und Ultramarathon Veranstaltungen teil und kommt nun auf Sammlung von über 400 Läufen.

Er schreibt regelmäßig auf trailrunning.de und marathon4you.de

Marathons läuft er seit über 20 Jahren. Es reicht ihm, wenn er vorm “cut off” (Zeitlimit) ins Ziel und somit in die Wertung kommt.

Die Erlebnisse und der Genuss an und auf der Strecke sind ihm immer wichtiger als Bestzeiten.

Ich finde die Einstellung inspirierend. Wenn man selber an der Startlinie steht, will man eine neue Bestzeit erreichen, in der Platzierung ganz weit vorne stehen oder auch etwas vom Lauf mit nach Hause mitnehmen, alles gleichzeitig geht nicht.  😉

Wenn sich Trail Läufer über Wettkämpfe austauschen, dann geht nicht um Platzierungen und Zeiten wie beim Straßenwettkampf, sondern nur immer um die Erlebnisse, VPs, Strecke, Finisher-Bier etc.

Läufer sind sexy von Joe Kelbel

Inhalt

20 Marathon Veranstaltungen von 2005 bis 2018 sorgen auf über 200 Seiten für viel Lesespaß. Zahlreiche Bilder untermalen die amüsanten Berichte.

So langsam kommt die Erleuchtung. Vielleicht ist es einfach die Phantasie die mit einem durchgeht, wenn mehr Blut in den Beinen als im Gehirn ist und die Zuschauerinnen “Good job, go ahead” rufen. 

Schön auf´s Laufen konzentrieren, sonst wandert das Blut noch in ganze andere Bereiche, was beim Laufen eher stören würde.  😉

Seine Phantasien zu einer Läuferin mit sehr breiten Hintern im ersten Kapitel dürft ihr selber lesen. 🙂

Und schon ist der Lauf vorüber und ein weiblicher Fan von der Strecke steht in der Tür von seinem Wohnmobil.

Der Vorteil von den nicht klassischen Läufen ist, dass es eigentlich immer viel entspannter zugeht. Nimmt man dann noch regelmäßig an den etwas verrückteren Läufen teil, die eine etwas übersichtlichere Teilnehmerzahl aufweisen, dann trifft man natürlich immer mal wieder bekannte Gesichter, was natürlich für eine herzliche Wiedersehensfreude sorgt.  🙂

Wie immer sind seine Berichte mit viel Hintergrundwissen zu Land + Leuten untermalt; so lernt man beispielsweise auch, woher das Herz-Symbol kommt und welche Bedeutung es früher hatte. Zusätzlich kann man auch sein Fremdwörtervokabular weiter ausbauen mit Chlamydien, Gonokokken, Peristaltik, Hyaluronsäure, Gastrocnemius…

Läufe in:

USA, Deutschland, Italien, Schweiz, Luxemburg, Mallorca, Polen, Spanien, Türkei, Sahara, Portugal, Mauritius, Albanien.

Manchmal sind es einfach Zweideutigkeiten, die einem zum Schmunzeln bringen, nachdem der Groschen gefallen ist:

Er meint, er kenne mich von der letzten Ü30 Party. Ich erkläre ihm, ich sei nicht reingekommen, Lara hätte mir gesagt, mir würden drei Zentimeter bis zu Ü30 fehlen.

Haha, abends in der Tür “geirrt” und morgens im Damenschlafsaal aufgewacht.  🙂

Es geht doch nichts über Galgenhumor und positives Denken:

Das Blut ist sehr flüssig, ich bin gut hydriert.

Die etwas anderen Marathons:

  • Nr. 2, im Bergwerk
  • Nr. 3, im Knast

Den 300. Marathon (2015) in Marokko zu laufen hat schon was, denn wo wird man schon ein paar Kilometer vorm Ziel abgefangen und mit Polizeisirenen und Soldaten zum Ziel eskortiert, bei dem auf der Zielgeraden sogar verschleierte Frauen anfangen ihn kreischend anzufeuern.

Fazit  

Auch in seinem 3. Buch nimmt Joe seine Leser mit in nahe und ferne Länder und lässt uns damit an Läufe teilhaben, die für die meisten nicht realisierbar sind. Mit seiner direkten und bildhaften Sprache kann man sich gut viele Situationen vorstellen. Aber auch wie er mit seiner Sichtweise Dinge auf den Punkt bringen kann: Kinderwünsche und 10-Kilometerläufe habe ich gestrichen, zu anstrengend.

So genial wie jede der 20 Stories ist, so wird ein gefühltes Drittel dem Titel aber nicht gerecht, daher habe ich einen Punkt abgezogen.

Stärken

  • typischer, locker Schreibstil von Joe
  • viele Geschichten zum Schmunzeln oder Lachen
  • zahlreiche Bilder

Schwächen

  • Ein gefühltes Drittel der Geschichten wird in meinen Augen den Titel nicht gerecht. Und dort wo das Zwischenmenschliche vorkommt (z. B. Damenschlafsaal), bleibt es bei dem Teaser ohne zu sagen, wie das “Malheur” ausgegangen ist.

Ich freue mich schon auf sein nächstes Buch, bei über 400 Läufen gibt es ja genügend Auswahl und ein Ende seiner Sammlung an Läufen ist ja noch nicht in Sicht. 

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