Lone Peak 4.0 von Altra

Was mich eigentlich an allen Trailschuhen bislang gestört hat, bei dem einen mehr, beim anderen weniger, dass man das Profil unterschiedlich stark im Schuh spürt. Im Gelände fällt das meistens nicht so auf und nach ein paar Schritten hat man sich darauf eingestellt, aber auf Asphaltabschnitten empfinde ich das schon als störend; insbesondere bei Schuhen mit harter und nicht dynamischer Sohle.

Durch die positive Erfahrung mit dem Escalante (Testbericht) von Altra (Homepage) und noch etwas mehr Komfort mit dem Torin (Testbericht) von Altra, wollte ich einen Trailschuh von Altra ausprobieren, der vor allem auch bei Ultra-Trail-Läufern beliebt ist.

Lone Peak 4.0 von Altra

Optisch finde ich ihn sehr gelungen, aber das ist ja zweitrangig, wichtiger sind die “inneren” Werte. 😉

Beim Anprobieren fällt als erstes auf, dass bei diesem Schuh die Schuhbänder sehr knapp bemessen sind. Aber die Schuhbänder sind nie aufgegangen, die Länge hat also gereicht. Bei den ersten Schritten auf den Fliesen bin ich dann total verwundert, habe ich einen Schuh an, einen Trailschuh? Ich spüre die Sohle nicht.

Lone Peak 4.0 von Altra

Da man in der Regel so ein grobes Stollenprofil sehr viel mehr spürt als ein feines, war ich vor dem Kauf sehr skeptisch gewesen. Also linken Schuh ausziehen und verschiedene andere Trailschuhe für einen direkten Vergleich angezogen. Der Unterschied ist gravierend. Als nächstes habe ich dann Straßenschuhe ausprobiert. Der Saucony Freedom (Testbericht) kam abgesehen von meinen Straßen-Altras noch am nächsten dran.

Würde man nicht auf das Profil schauen, käme man nie auf die Idee, dass man einen Trailschuh an hat.

Beim Probegehen über den Fliesen gab es die ganze Zeit quietschende Geräusche, so als wäre den Boden verklebt.

Die Griffigkeit der Sohle ist enorm. Wieder ein paar Schuhe in die linke Hand genommen, den Lone Peak in die rechte. Bei gleichen Druck rutschten alle über die Fliesen, aber nicht der Lone Peak, der saugt sich förmlich fest.

Schaut man sich das Profil genau an, dann sind es nicht einfach nur “Stollen”, sondern sie habe eine Vertiefung und saugen sich damit zumindest auf glatten Oberflächen förmlich fest. Die Wirkung ist enorm, eine absichtliches Rutschen ist nicht möglich. Ich bin gespannt, ob dieses “Phänomen” auch nach den ersten Läufen noch besteht, wenn das Profil schon etwas “gelitten” hat.

Lone Peak 4.0 von Altra
Lone Peak 4.0 von Altra

Wie auch bei den anderen Altras ist die Ferse so weich wie auch das seitliche Material, was ich als sehr angenehm empfinde. 

Seitlich, vorne und hinten befinden sich Möglichkeiten Garmaschen zu befestigen, hierfür kann man z. B. den Klettverschluss vom “Gaitertrap” lösen oder die Garmasche auch nur einhaken.

Lone Peak 4.0 von Altra

Neben der 0 mm Sprengung gehört die breite Zehenbox zum Markenzeichen von Altra.

Lone Peak 4.0 von Altra

Die Zunge ist angenehm dick, geht aber nicht besonders weit seitlich herunter, so wie es derzeit bei einigen Herstellern beliebt ist, sondern ist sozusagen “normal”. Der Fuß sitzt sehr angenehm im Schuh.

Während der Torin und insbesondere der Escalante einem das Gefühl vermitteln auf einer Gelsohle zu laufen, habe ich diesen Eindruck vom Lone Peak nicht. Die Sohle ist passend gedämpft. Wenn ich an den Asics Nimbus denke, dann war die Sohle irgendwie matschig weich und die Ferse konnte man massiv herunter drücken. Hier ist die Sohle angenehm weich, aber das “Fahrwerk” darunter ist fest. Man kann also bewusst nur wenig die Ferse im Stand herunterdrücken. Dies ist sehr wichtig, damit der Fuß beim Aufsetzen einen sauberen Halt hat und nicht nachgibt und die Gelenke und insbesondere die Achillessehne überbelastet werden.

Lone Peak 4.0 von Altra

Wenn ich das mit einem Fahrwerk vergleichen würde, dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Innen sitzt man sehr angenehm und trotzdem liegt das Auto wie ein Brett auf der Straße.

Der erste Eindruck

Im Laufe des Tages habe ich noch ein paar Male links einen anderen Schuh angezogen, um ihn mit dem Lone Peak zu vergleichen. So einen perfekten Sitz wie bei dem Schuh hatte ich bei noch keinem gehabt. Man kann es nicht beschreiben, man merkt das Auftreten irgendwie nicht. Vielleicht kann man es noch am besten beschreiben, wenn  man sich vorstellt den Fuß in weichen Sand zu setzen; perfekter, gleichmäßig verteilter Druck und das trotz Hohlfußes.

Altra bezeichnet den perfekt ausbalancierten Abstand zwischen Vorfuß und Ferse als “Balanced cushioning platform”, die für eine korrekte und schonende Haltung während des Trail-Laufs sorgen soll. In meinen Augen haben sie das bei diesem Schuh genial umgesetzt.

Der erste Lauf...

Mit seinen 347 g in der Größe 12,5/47 ist er natürlich kein Fliegengewicht, aber das Gewicht macht sich nicht negativ bemerkbar, vielleicht auch deswegen, weil er so unauffällig am Fuß sitzt.

Weil man vom Fußboden in der Wohnung so wenig wahrnahm, hatte ich schon Befürchtungen gehabt, dass man den Untergrund auf dem Trail nur eingeschränkt spüren würde, das ist aber nicht der Fall, egal ob weicher Boden oder Steine, alles lies sich gut wahrnehmen. Auch das Laufen auf den Asphaltabschnitten war endlich mal unproblematisch gewesen.

Direkt nach dem Lauf den Grip auf den Fliesen wieder getestet, auch mit nicht sauberen Schuhen hat sich hier nichts geändert.

Weitere Läufe...

Nach weiteren Läufen quietschen sie nicht mehr im Flur. Im direkten Vergleich zu anderen Schuhen sind sie beim Grip-Vergleich aber noch sehr gut, auch wenn die Aussagekraft von dem Test sehr gering ist. 

Der Grip der Sohle bei nassen, steilen Asphalt und Schotter Steigungen und Gefälle ist sehr gut; ebenso der Grip auf matschigen Untergrund. Den Halt im Schuh beim Laufen mit ausgeprägten seitlichen Schrägen auf dem Trail empfinde ich sehr gut. Der Fuß bzw. die Fußsohle zeigten keine Ermüdungserscheinungen an. Keiner Wunder also, dass er bei Ultra-Trail Läufern sehr beliebt ist.

Spitze Steine drücken sich schon mal durch die Sohle, so dass man sie deutlich wahrnimmt, aber alles unproblematisch. Für reine Waldautobahnen mit groben Schotter wäre demnach eine härtere Sohle angenehmer. Aber da man vermutlich auf seiner Runde nicht nur auf Waldautobahnen läuft und eben jedes Terrain ein Kompromiss darstellt, nehme ich dieses Manko gerne in Kauf.

Fazit 

Jeder Lauf mit dem Lone Peak ist eine Freude. Fürs Mittelgebirge und typische Wald- und Wiesenläufe der perfekte Schuh. Auf den üblichen Bergwanderwegen würde ich ihn genauso einsetzen.

Stärken

  • perfekter Sitz
  • perfekte Sohle, wenn man komfortable Sohlen mag
  • griffige Sohle
  • gute Verarbeitung

Schwächen

  • für mich keine

Es gibt Bereiche, wo eine härtere und festere Sohle vorteilhafter wäre, für dieses Terrain sollte man dann einen anderen Schuh wählen. 

Wer nicht 0 mm Sprengung gewohnt ist, muss sich hieran sehr behutsam gewöhnen!

Technische Werte

  • Gewicht: 347 g bei Gr. 12,5/47
  • Sprengung: 0 mm
  • Höhe Vorderfuß: 21 mm
  • Höhe Ferse: 21 mm
  • Pronation: Neutral
  • Dämpfung: Angenehm weich
  • Dynamik: gut
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