Stärke – Warum wir alle mehr können, als wir glauben

Das Buch “Stärke – Warum wir alle mehr können, als wir glauben” vom Sportpsychologen Florian Wildgruber, ist nicht ein Ratgeber wie werde ich besser, schneller, effizienter und schon gar nicht wird mit Zauberformeln gearbeitet, die einem den beschwerdefreien Weg zum Ziel aufzeigen wollen.

Der Autor

Lähmungen, Klumpfuß, ADHS, von der Schule aufgegeben. Allein schon bei ADHS wird einem schnell klar, wie überfordert die Schule und häufig auch Eltern und das Umfeld mit diesen Kindern ist.

Wie viel innere Stärke muss jemand haben, der trotzdem an sich glaubt und immer wieder aufsteht?

Wie kann jemand mit solchen Problemen so gut in der Schule werden, dass er studieren kann?

Wie kann jemand mit solchen körperlichen Einschränkungen Deutscher Meister und Europameister im Triathlon werden?

Wie kann so einer Hochschul-Lehrbeauftragter werden und weltweit Vorträge halten?

Florian Wildgruber hat dies mit seinen jungen 26 Jahre schon erreicht.

Stärke - Warum wir alle mehr können, als wir glauben

Das Buch

In weiten Teilen des Buches kommt es einem eher wie einer Autobiographie vor. Aber dies schadet dem Buch in keiner Weise, sondern wirkt dadurch besonders authentisch.

Der Autor hat nicht einfach nur ein theoretisches Studium der “Sportpsychologie” absolviert, sondern er weiß wovon er redet und wie sich das anfühlt, wenn keiner an einem glaubt.

In vielen Beispielen, die als Rückblicke auf die eigene Kindheit und seinem Leben dienen, wird sich der eine oder andere wieder erkennen. Es gibt in dem Buch keine einfachen Lösungen und auch keine Floskeln wie z. B. 

  • du musst dein Ziel fokussieren
  • gebe dir mehr Mühe
  • etc. 

Der Berg ist hoch, der Berg ist steil, es wird anstrengend werden. An diesen Tatsachen kommen wir nicht vorbei, aber es wird die Einstellung sein, wie wir mit diesen Gegebenheiten umgehen. Und hier möchte das Buch ansetzen und uns Lösungsmöglichkeiten aufzeigen.

Lösungsansätze

Manche Lösungen sind sehr einfach, wie z. B. auf einem Stift quer im Mund vorm Spiegel beißen. Denn das Gehirn kann nicht zwischen echten und falschen Lächeln unterscheiden. Durch diesen Trick kann man zumindest ein wenig seine Laune bessern.

Menschen, die einem nicht gut tun, einfach meiden. Kommt dir einer lachend entgegen, wird man automatisch zumindest ein wenig lächeln. Kommt einem einer missmutig entgegen, so wird man in Teilen auch dieses übernehmen.

Wir brauchen ein Umfeld, dass uns hilft unsere Stärken weiter auszubauen und nicht eines, dass den Fokus auf unsere Schwächen lenkt.

Und nein, wir brauchen keine Ziele nach SMART (Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch, Terminiert) als Akronym aus der Projektmanagementsprache. Denn mit diesen Vorgaben würde ein Kind nie Laufen lernen! Dinge brauchen solange wie sie brauchen.

Daher ist das einzige Wichtige – dranbleiben. Es ist in diesem Sinn auch viel wichtiger überhaupt regelmäßig zu trainieren, anstatt sich um das “Wie” Gedanken zu machen.

Shaka Zeichen

Shaka

Einen gewissen Fingerzeig kennt jeder 😉 , aber nur die wenigsten kennen dieses Symbol was sehr schade ist; ausführliche Erklärung bei Wikipedia.

“Shaka” hat seinen Ursprung auf Hawaii unter den dortigen Surfern und bedeutet so viel wie “Locker bleiben”, “Cool”, “In Ordnung”, “Gute Welle”.

Uns allen täte es gut daran, dieses Symbol (Kleiner Finger und Daumen abspreizen, die anderen 3 Finger machen eine Faust) öfters mal zu benutzen und in Stresssituationen einfach ruhiger zu blieben. Was sich natürlich einfacher sagen lässt, als es umzusetzen. Nichtsdestotrotz kann man es versuchen, üben und dran bleiben. 🙂

Warum

Ähnlich wie in dem Buch “Mentaltraining” von Michele Ufer geht es natürlich auch hier um das  “Warum”.

Wenn man sein Warum nicht ehrlich beantworten kann, wird man sich auch nicht länger für etwas motivieren können egal ob Abnehmen, mehr Sport oder sonstige Ziele.

Daher suche nach einer ehrlichen Antwort auf das “Warum”.

Ich möchte Abnehmen, damit ich mich wohler fühlen, ist hierbei häufig nur ein vorgeschobener Grund. Ehrlicher wäre es u. U. zu sagen, weil ich gehänselt und gedemütigt werde.

Ich laufe, weil es gut für meine Gesundheit ist. Wie soll man sich mit der Aussage über einen langen Zeitraum motivieren, denn eigentlich mag man gar nicht laufen!

Ziele

Ist das “Warum” geklärt und man hat seine ehrliche, persönliche Antwort darauf gefunden, wird man auch die nötige Kraft haben das Ziel zu erreichen.

Es wird Zeiten mit Rückschläge und “Null-Bock” geben, besonders in diesen Situationen ist es hilfreich ein Umfeld zu haben, dass das Feuer in einem neu entfacht und man wieder mitgezogen wird.

Und so lassen sich kurz-, mittel- und langfristige Ziele erreichen.

So wie die Menschen auf Hawaii, sollten wir aus dem Leistungs-Hamsterad aussteigen und mal einen Gang zurück schalten und einfach mehr das Sein und das Leben genießen und nicht die Augen zu stark auf das Ziel ausrichten und dem alles unterordnen.

Dann und nur dann, wird man auf dem Weg zum Ziel auch nicht den Spaß verlieren.

Scheitern

Für viele hört sich “Scheitern” wie ein Fluch an. Es ist unsere Gesellschaft und wir selber wie wir etwas bewerten. In den USA wird “Scheitern” nicht als schlimm empfunden, sondern häufig positiv. Er hat etwas versucht, es hat nicht funktioniert, aber egal, er hat es versucht und dabei viel gelernt.

Bei uns wird “Scheitern” mit “Versagen” gleich gesetzt und bevor man scheitert, lässt man es dann lieber.

Nicht umsonst bringt man gerade dann die besten Leistungen, wenn es keiner von einem erwartet.

Fazit  

In meiner Rezension habe ich nur einige Kernaussagen und Punkte herausgegriffen, sozusagen als Kostprobe. Auf seinen 128 Seiten findet man selbstverständlich viele weitere Beispiele und Aspekte, die zum Nachdenken anregen.

Stärken

  • Authentisch
  • Gut geschrieben
  • Guter Einstieg ins Mentailtraining
  • Ein Lebensratgeber ohne altkluge Ratschläge

Schwächen

  • keine

Ich begeistere mich für die Trainings-Philosophie vom Trail Running Trainer David Roche. Er trainiert seine Athleten nach der “SWAP”-Methode.

Some Work, All Play

Nach diesen “Spiel”-Regeln möchte in meinen Augen auch das Buch eine Hilfestellung sein. Ein bisschen Arbeit reinstecken und dann mit viel Spaß dran bleiben. Scheitern ist erlaubt, aber nicht Aufgeben. 😉

Einfach “nur” den ersten Schritt machen und dran bleiben!  Viel Spaß beim Training!

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2 Responses to Stärke – Warum wir alle mehr können, als wir glauben

  1. Klaus says:

    Lieber Guido,
    wie bei Dir gewohnt, ist Deine Rezession toll geschrieben.
    Obwohl ich bisher beim Sport kein Motivationsproblem habe, ist es bestimmt hilfreich, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wildgruber steht jetzt auf meiner Wunschliste.
    Danke und viele Grüße, Klaus

    • Guido says:

      Hallo Klaus,
      Danke fürs Feedback. 🙂
      Auch wenn du es für dich glücklicherweise nicht benötigst, kann es hilfreich sein, um damit andere bessere zu unterstützen oder um einen zu verdeutlichen welchen Einfluss man auf andere hat.

      Als Ultra-Läufer sind für dich selber wohl besser die Bücher von Joe Kelbel (100 km für ein Bier) oder Mental-Training von Michele Ufer geeignet. 🙂

      Viel Spaß und Erfolg in Rodgau.
      Liebe Grüße Guido

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