Trail Marathon Heidelberg 2017

Nun stand mein erster Marathon an,  der GELITA Trail Marathon Heidelberg.

Januar 2016 fing ich mit dem Laufen an, um nur wenige Monate später nur noch sporadisch für ein halbes Jahr wegen Problemen mit der Achillessehne laufen zu können.

Seit dem Herbst letzten Jahres war der Spuk vorbei und ich konnte wieder vernünftig trainieren. Über´n Winter folgten die üblichen 5 und 10 km Wettkämpfe, im April dann der erste HM. Eigentlich war damit der Weg eines Straßenläufers und somit der erste Straßen-Marathon im Herbst vorgezeichnet.

Himmelsleiter
Himmelsleiter (1200 Stufen)

Im Januar hatte ich die Idee gehabt, man könnte ja als Beimischung auch mal Trail (im Wald) laufen und kaufte ein paar Trailschuhe. Die bis dahin kaum genutzen Schuhe kamen dann beim  “Lichtenstein Trail Race” in Mai zum ersten richtigen Einsatz. Wie anstrengend Höhenmeter sein können, habe ich dann schnell erfahren dürfen und sehnte das Ende schon nach 5 km herbei. In den folgenden Monaten blieb dann das Trail Laufen beim Wollen, da kein passendes Revier vor der Haustier liegt.

Aber seit dem Sommer übte das Trail Laufen immer mehr eine Faszination auf mich aus. Ich wollte Trail Laufen nicht mehr als Beimischung sehen, sondern den Spieß umdrehen.

Von nun an hieß es wettkampfspezifische Vorbereitung, also möglichst viel Zeit auf Trails verbringen.

Der Saxoprint HalfTrail (Laufbericht) diente hierbei als abschließender Vorbereitungs-Wettkampf. Um einen Eindruck davon zu bekommen, was uns in Heidelberg erwartet, haben mein Laufpartner und ich dort zwei Trainingseinheiten absolviert.

Beim Saxoprint habe ich mir viel durch falsche Tempoeinteilung kaputt gemacht. Nun hoffe ich auf ein besseres Händchen beim Kräfteeinteilen, denn sonst ist nichts mit einem Zieleinlauf. Vor der Herausforderung habe ich großen Respekt!

 

Die Strecke

Heidelberg Marathon Höhenprofil42 km, 1610 Höhenmeter (laut GPSies) und 1000 Stufen sind mal eine Ansage, zumindest für einen Trail Novizen. 😉

Start und Ziel befinden sich in der Innenstadt, von dort geht es über die “Alte Brücke” ein kurzes Stück parallel zum Neckar und dann über den Philosophenweg hoch zur “Thingstätte” (km 5), nach einem kurzem Abstieg geht es  hoch zum “Weißen Stein” (km 17, VP 2). Mit den Höhenmeter sammeln ist es ab hier erst einmal vorbei. Gute 2 km weiter ist man beim “Langer Kirschbaum” (VP 3). Auf den folgenden 10 km geht es über 400 Hm herunter, da kann man es schön laufen lassen. In Schlierbach bei km 30 ist VP 4. Über Forststraßen beginnt nun wieder das Sammeln von Höhenmetern, um nach wenigen Kilometern auf die Himmelsleiter zu treffen. Nun geht es über 850 Stufen hoch zum Königsstuhl, von dort dann mehr über ein Geröllfeld als Trail steil herunter zum Schloss und zu guter Letzt in Serpentinen weiter herunter  in die Altstadt.

Heidelberg Marathon Karte

Prolog

Heidelberg Karlsplatz
Karlsplatz

Pünktlich und auch einmal zuverlässig brachte mich die Bahn nach Heidelberg. Mit der S-Bahn ging es vom Hauptbahnhof zur Haltestelle “Altstadt”, von dort läuft man in gut 10 Min. bis zur Altstadt.

Nun, erst einmal schauen, wo denn die Startnummernausgabe ist. Da ich keine Schilder gesehen hatte und ich auch nicht zulange hin und her laufen wollte, habe ich einfach mal gefragt, was ja sonst nicht so typisch Mann ist. 😉 Den Starterbeutel hielt ich schon kurz darauf in den Händen und schon war ich wieder draußen gewesen.

Heidelberg Start-Ziel
Start-Ziel

Nun ging es ein paar Schritte weiter zum Karlsplatz, zum Start und Ziel Bereich. Vor lauter Absperrgitter musste man sich erst einmal einen Durchgang suchen. Mit knapp 2 h vor dem Start war man noch gut mit dem Aufbau beschäftigt gewesen. Das Wetter hielt sich an die Vorhersage und so was es bewölkt aber trocken und die Temperatur mit 11 Grad war auch angenehm. So ich habe den Bereich erst einmal umrundet und wieder gefragt, wo denn die Umkleide ist.

Ich glaube so ein kleines Zelt habe ich noch bei keinem Wettkampf als Umkleidezelt gehabt. Die Grundfläche war vielleicht 3×3 m. Für mich hat es gereicht, denn um die Uhrzeit war ich der Einzige gewesen, der sich schon umziehen wollte. 🙂 Also konnte ich mich wunderbar auf den Bänken ausbreiten. Umgezogen und die Muskeln mit Massageöl für ihren späteren Einsatz vorbereitet, ging es mit meinem Laufpartner Walter nach Starbucks. Herrlich, noch ein Espresso zum Wachwerden, die Zeit vertrödeln und dann ging es vielleicht 15 Min. vorm Start zurück. Nun hieß es sich locker machen und Block 1 und 2 beim Abdampfen zuzuschauen.

 

Das Rennen

Pünktlich um 11:06 startete der 3. Block und es geht mit angenehmen Tempo durch die Altstadt. So wie es aussah, waren die 3 Blöcke relativ gleichmäßig “bestückt” gewesen.

Heidelberg am Neckar
am Neckar

Schnell war die “Alte Brücke” überquert und es ging weiter am Neckar entlang. War die Gruppe in den Gassen noch relativ dicht beieinander gewesen, so konnte man nun frei laufen.

Schnell war der erste Kilometer vorüber und der erste Anstieg begann in der Hirschgasse. Den ersten Teil konnte man noch gut laufen und ich habe das Tempo wohl dosiert reduziert, denn der Weg war noch lang.

Heidelberg Hirschgasse
Hirschgasse

Aber schon bald nahmen die Prozente immer zu und dann hieß es zügiges Gehen.

Philosophenweg
Philosophenweg

Die Hirschgasse war bald zu Ende und man konnte es auf dem Philosophenweg im Flachen wieder wunderbar laufen lassen und hatte dabei teilweise durch die Büsche einen schönen Blick auf Heidelberg.

Auf zur Thingstätte
Aufstieg zur Thingstätte

Nach gut 3 km ging es dann endlich in den Wald, hoch zur Thingstätte. Je nach Steigung wurde mal gegangen, mal gelaufen.

Heidelberg Thingstätte
Der Eingang

Und dann überlegt man noch, ob das was man zwischen den Bäumen im Nebel sieht, die Thingstätte ist oder nicht und da steht sie schon vor einem.

 

Heidelberg Thingstätte
Heidelberg Thingstätte
Downhill zum VP 1
Downhill zum VP 1

Direkt nach der Thingstätte gab es einen schönen Downhill durch den Wald.

Der Weg blieb aber nicht lange so komfortabel, plötzlich tat sich eine richtige Matsch-Strecke auf.

Mein neuer Trailschuh “New Balance Hierro v2”, siehe Testbericht, hatte nun seine erste Herausforderung. Trotz seines feinen Profils packte er super zu und mit dieser Sicherheit konnte ich einige Läufer überholen.

 

Schlamm Strecke zum Weißen Stein

Nach dem VP 1 gab es erst einmal wieder einen Anstieg mit ca. 1 Kilometer Länge auf Asphalt und danach ging es auch schon wieder abwärts, bevor man endlich wieder einen schönen Waldweg vor sich hatte.

Auf unterschiedlichsten Terrains ging es weiter zum VP 2 (Weißer Stein).

Und auf einmal war er da. Da man die ganze Zeit im Wald ist, den Nebel um sich herum hat, der Boden sich dauernd ändert, es rauf und runter geht, da rechnet man dann gar  nicht mehr mit einem VP, obwohl man ja genau weiß, wann er kommt. So hat man kurz was getrunken, die Straße überquert und schon ging es wieder weiter; denn VP 3 (Langer Kirschbau) ist nur 2 km weiter.

Richtung ZiegelhausenNach VP 3  ging es zunächst wieder über einer Schotterstraße aufwärts. Schaut man sich das Höhenprofil an, dann freut man sich eigentlich auf gute 400 Hm Abfahrt. Aber Höhenprofil und Realität sind zwei paar Schuhe.

Dort wo es herunter ging, war viel Asphalt und Schotter gewesen und teilweise mit ordentlichem Gefälle. Für dieses Stück waren die Trailschuhe nicht ausgelegt, das merkte man dann schon; hier hätte man etwas mehr Dämpfung haben können. Ein Trailschuh, der auf dem Trail genauso perfekt ist wie auf der Straße, den gibt es nicht. Alles geht nun einmal nicht. 😉

Auch dieses Stück ging vorüber, so dass es bei km 26,5 endlich wieder in den Wald ging und man einen angenehmen Downhill hatte.  Da der Kontrast auf dem Untergrund aber irgendwie fehlte, alles war mehr oder weniger dunkel, musste man aber trotzdem aufpassen, dass man keine Hindernisse übersah.

In Schlierbach meldete dann leider meine Kamera “schwacher Akku”. Erst in Heidelberg merkte ich dann, dass das ein Fehlalarm war, schade, so gibt es von den folgenden 12 Kilometern keine Bilder.

Nach VP 4 in Schlierbach ging es zu nächst durch den Ort aufwärts und dann in den Wald.

Es gab dann einen 4 km langen Aufstieg, so etwas habe ich noch nicht ansatzweise trainiert, erlebt, mitgemacht. Egal wie langsam man ging, der Kreislauf wollte nicht mehr, absolut fertig. Aber stehen bleiben wollte ich auch nicht, wie hätte man dann wieder anlaufen sollen, also schön langsam weiter, Blick nach vorne, Blick nach oben, der Aufstieg nahm kein Ende.

Nach den 4 km war die Tortur fürs erste vorbei und über die Waldstraße wurden die Höhenmeter gleich wieder zunichte gemacht.

Himmelsleiter
Himmelsleiter (Archivbild)

Bei km 35 machte man dann die erste Bekanntschaft mit der Himmelsleiter. Die erste Stufe gleich kniehoch hatte zur Folge, dass die Wade mega mäßig protestierte und ein Signal sendete: Machst du das noch mal, gibt es wieder einen Wadenkrampf. Die Himmelsleiter ist in 2 Portionen eingeteilt. Auf den ersten und kleineren Stück bekommt man schon mal einen Eindruck was da einem erwartet, dann geht es wieder ein Stück Forststraße hoch und dann die Restlichen von 850 Stufen.

Die Technik, mit den Händen die Oberschenkel herunterzudrücken, hatte zur Folge, dass es ganz fiese Rückenschmerzen gab, denn der verspannte sich irgendwann total, von dem vielen gebückt laufen. Was macht man nun, ohne Hände, aber dafür mit vollen Kreislauf- und Beineinsatz oder mit Hände und dafür Rückenschmerzen? Ich habe lieber die Rückenschmerzen in Kauf genommen und den Kreislauf versucht zu schonen, die Beine brauchte ich ja auch noch. 

Juhu, der Königsstuhl ist da und erst einmal meiner Frau kurz eine Nachricht schicken, dass nun auch VP 5 geschafft ist. 🙂

Eigentlich kenne ich das nur von Ultra-Laufberichten, dass man durch ein Tief wieder herauslaufen kann. Ich dachte immer, ja, ja, erzählt ihr mal, wenn die Wade nicht mehr will, dann will sie nicht mehr, egal wie stark man mental ist. Als ich aber so ganz in Gedanken meiner Frau die Nachricht schrieb, 1-2 Becher getrunken hatte und mich nun gedanklich auf den schwierigen Downhill einstellte, da waren all die Probleme plötzlich weggeflogen, Konditionell wieder alles im grünen Bereich und auch die Beine verspürten wieder Lust. Dies wurde mir aber auf dem Königsstuhl so gar nicht richtig bewusst, erst als man diesen technischen Part hinter sich hatte und somit wieder Zeit zum Denken hatte.

Nach dem steilen, technischen Downhill gelangt man wieder auf einer Forststraße die aufwärts führte. Frisch um die Kurve gekommen und beschleunigt und schon sagten die Waden: keine gute Idee, ab zum Baum und dehnen. Das muss wohl ansteckend gewesen sein, denn schon suchte sich der nächste einen Baum.

Heidelberger Schloss
Heidelberger Schloss

 

Ok, dann gehen wir jetzt den letzten Anstieg, den ich sonst auch hätte gut laufen können.

Anstieg vorbei und ab auf dem Downhill mit weichen Waldboden, schon bald war das Schloss erreicht, ein hin und her im Schlossgarten, der Regen wurde nun immer mehr und dann ging es den steilen Serpentinenweg hinab in die Altstadt.

Heidelberg Zieleinlauf
Zieleinlauf

Die letzte “Meile” konnte man gut auf Kopfsteinpflaster laufen. Noch einen schönen Zielsprint hingelegt und das Werk war vollbracht – den ersten Marathon gefinisht.

Im Ziel gab es das lang ersehnte Bier und ich suchte mir einen Platz unter einem Baum. Kevin (Strava User) hat mich erkannt und wir hatten einen schönen Plausch gehabt. Als sich dann endgültig die Schleusen öffneten wurde es Zeit sich umzuziehen, so musste ich leider das Gespräch beenden.

Epilog

Super Veranstaltung, tolle Helfer die einem stets am Wegesrand motiviert haben.

Jetzt muss ich die auf der Strecke gelassenen 2 kg erst einmal wieder auf die Rippen bekommen, bevor ich das Training aufnehmen kann und natürlich muss der Muskelkater verdaut werden.

Wer sich etwas gutes tun möchte, der bucht sich rechtzeitig für den Tag danach einen Massage-Termin beim Physio seines Vertrauens. Herrlich und mit rund 20 € eine gute Investition.

Medaille Trail Marathon Heidelberg

Platzierung gesamt: 207 von 280

Platzierung Männer: 177 von 231

Platzierung AK: 21 von 33

Zeit: 05:23:13 h

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