Siebengebirgsmarathon 2017

Im Dezember ist die Auswahl an Marathons relativ gering, so war ich am hin und her Überlegen gewesen, ob ich eine Anfahrt von über 300 km für den Siebengebirgsmarathon (für die Ausschreibung ist leider Flash erforderlich 🙁 , soll aber zum nächsten Jahr geändert werden) in Aegidienberg, liegt etwas südlich von Bonn, investieren soll.

Da mehrere Laufberichte aber von dem Lauf begeistert waren,  sprach nur das frühe Aufstehen wegen der Anfahrt dagegen, dass lies sich mit entsprechender Motivation aber überwinden. 😉

Die Strecke

Siebengebirgsmarathon - HöhenprofilDas Naturschutzgebiet Siebengebirge liegt südlich von Bonn und wie der Name schon vermuten lässt, ist es hier hügelig. Die “7” steht hier allerdings als Platzhalter für “viele”, im Sinne von “seine Siebensachen packen”, insgesamt gehören 50 Hügel/Berge/Anhöhen zum Siebengebirge. Daneben gibt es noch die Interpretation “magisch” für die “7” mit ihren verschiedenen Sagen.

Wer hier wohnt, muss sich um neue Strecken fürs Training keine Gedanken machen, denn es stehen 200 km ausgeschilderte Wanderwege zur Verfügung.

Beim Kennenlernen des einen oder anderen Hügels auf der Marathon-Runde wird man alle 5 km an einem VP vorbeikommen. Der Ausrichter gibt die Höhenmeter mit ca. 650 Hm an, laut GPSies sind es 800, laut Outdooractive 630, Runalyze und Strava zeigen 880 an.

Man hätte den Lauf auch als 2-Länderlauf bezeichnen können, denn er führt von Nordrhein-Westfalen nach Rheinland-Pfalz.

Prolog

1,5 Stunden vorm Start bin ich schon da. Der Ausrichter schreibt wohl nicht umsonst auf der Homepage “begrenzte Anzahl an Parkplätze”. Da die Halbmarathonis eine Stunde vor uns starten war klar gewesen, dass selbst mit früher da sein unter diesen Bedingungen Parkplätze rar werden würden. Ein paar hundert Meter die Straße herunter habe ich dann beim Penny einen der letzten Parkplätze gefunden.

Siebengebirgsmarathon, Bürgerhaus

Bürgerhaus

Auf zum Bürgerhaus ein kleines Frühstück einnehmen und die Startnummer abholen.

Da noch ein Plätzchen auf der Empore frei war, habe ich mich dort “eingenistet” und mich umgezogen. In Aegidienberg hatte es schon im Vorfeld gut geschneit und ich hatte keine Lust geschätzte 500 m zur Turnhalle zu laufen.

Ich habe jetzt an über 30 Wettkämpfen teilgenommen, aber das sogar eine Kiste Toilettenpapier bereitsteht, damit es an dieser Stelle keinen Engpass gibt, habe ich noch nicht erlebt. Hier sind Profis in der Organisation!

Apropos Organisation, 95 ehrenamtliche Helfer sind im Einsatz, damit die knapp 700 Finisher (Halb- und Marathon) bestens betreut werden. Was mich ein wenig verwundert, ist, dass es a) sehr viele Nachmeldungen bei dem Wetter gibt und b) sehr viele Frauen sich von dem Wetter nicht abhalten lassen.

Siebengebirgsmarathon zum Start

zum Start

Siebengebirgsmarathon Gangpferdezentrum

Gangpferdezentrum

Kurz nach 9:30 Uhr werden wir dann vom Moderator aufgefordert uns auf dem Weg zum “Gangpferdezentrum” zu machen und so beginnt die lange Prozession vom Bürgerhaus quer durch die Stadt zu den Pferden; die wir ca. 1 km später erreicht haben.

Viele Pferde stehen hier in offenen Ställen und schauen sich interessiert die Läufer an.

Das Rennen

Siebengebirgsmarathon Start

Siebengebirgsmarathon Startbereich

Wer bislang nur Stadtläufe gelaufen ist, wird vielleicht etwas irritiert sein, man steht hier so richtig in der Pampa und der Sprecher steht auf der Ladefläche von einem Lastwagen – herrlich.

Siebengebirgsmarathon durch den Ort

Siebengebirgsmarathon - durch den Ort

Pünktlich um 10 Uhr kam der Bürgermeister seiner Pflicht nach und schickte uns mit einem lauten Schuss auf die Piste.

Das locker aufgestellte Feld machte sich mit humanen Tempo auf den Weg.

Die “Halben” haben es vorgemacht und nun laufen wir durch den Ort.

Von zahlreichen Anwohnern wurde applaudiert und so war der Ort schnell mit Rückenwind durchquert.

Siebengebirgsmarathon - die ersten km

die ersten Kilometer

Der Wind hat nachgelassen, also ziehe ich lieber die Winterweste aus, bevor es zu warm wird.

Siebengebirgsmarathon - km 4

km 4

Alles ist noch leicht, locker, angenehm und schon haben wir km 4 erreicht.

Siebengebirgsmarathon - km 5

km 5

Nach weiteren ca. 700 m erreichen wir schon den ersten VP. Bereitgestellt werden die üblichen Getränke aus Cola, Wasser, Iso, warmen Tee.

Nach 5 km ist das Feld immer noch eng beieinander, ein Gedränge gibt es trotzdem nicht, zum Überholen gibt es genügend Gelegenheiten.

Siebengebirgsmarathon Strecke 06

An den Stellen, an denen kein Schnee liegt, ist der Boden meistens gefroren, so dass diese Stücke nur wenig matschig sind.

Siebengebirgsmarathon - km 7

km 7

An den VP´s stehen immer Helfer bereit, die den Läufer schon auf dem Weg Tee oder Wasser reichen und dies lautstark ankündigen, so wird das Gedränge am Tisch gut reduziert.

Diszipliniert werden hier auch die Becher von den Läufern entsorgt, so dass fast alle in oder bei den dafür vorgesehenen Behältnissen liegen und nicht 100 m später am Wegesrand.

Weiter geht´s, noch spielt das Wetter mit und im Wald ist man gut geschützt.

Siebengebirgsmarathon- km 8

km 8

Nun schneit es, gepaart mit eisigem Wind.

Wenig später beschweren sich meine beide Achillessehnen, das teilweise in den Wind hineinstemmen, dazu auf der immer wieder vereisten Strecke rauf wie runter halt suchen, wird denen zu viel.

Glücklicherweise war die “Beschwerde” nur von kurzer Dauer und wurde wieder zurückgezogen.

Die konservative Tempo-Einteilung machte sich bezahlt und so kann ich auf den nächsten Kilometern hoch wie runter einige Läufer einsammeln; ein schönes Gefühl. 😉

Siebengebirgsmarathon km 8.5

km 8.5 – VP 2

Und schon ist der nächste VP unterhalb vom Gasthof Löwenberg erreicht.

So langsam wird das Wetter zunehmend ungemütlicher, noch ist es leichter Schneefall.

Ich bleibe bei warmen Tee, ein Becher langsam gehend getrunken und weiter geht es.

Meine Gel-Blocks von Clifbar mögen diese winterliche Temperatur gar nicht. Eigentlich haben sie die Konsistenz von Gummibärchen, nur eben größer, aber bei den winterlichen Temperaturen werden sie immer fester.

Siebengebirgsmarathon - km 20

km 20

Mittlerweile haben wir Kilometer 20 hinter uns gelassen.

Das ist jetzt schon eine Weile kein Schnee mehr, sondern mehr ein eiskalter Schneeregen, der einem ins Gesicht gepeitscht wird.

Am liebsten mag man die Augen dabei schließen, aber das geht ja nicht. Nur mit Schlitzaugen zu laufen ist beim dem Untergrund auch nicht das Gelbe vom Ei.

Also weiter geht´s. Bei den vielen Schleifen, rauf und runter, Hügel umrunden usw., da muss der Wind ja irgendwann wieder von hinten kommen.

Siebengebirgsmarathon - km 22

km 22

Halbzeit ist schon vorüber. 🙂

22 km sind nun geschafft.

Keine Ahnung wie lange es her ist, dass ich zuletzt einen Spaziergang durch Schnee gemacht habe, es muss viele, viele Jahre her sein. Das es schön und zugleich anstrengend ist, das hat man immer noch in Erinnerung.

Mal haben wir eine festgetretene Spur, mal sieht man nur die Fußspuren in ca. 10 cm tiefen Schnee vom Vordermann.

Wenn man dann fürs Überholen durch noch tieferen Schnee ansetzt, dann kostet das mehr Körner als man sich vorstellen kann. Weder ist langsam überholen ala Elefantenrennen eine Lösung, noch zügiges überholen. Nachdem ich das ein paar Mal gemacht habe, gedulde ich mich lieber auf bessere Stellen fürs Überholen.

Siebengebirgsmarathon - km 23

km 23

Kilometer 23, mal wieder ein Anstieg.

Eigentlich wollte ich unter 4 h laufen und damit alles durchlaufen. Als Plan B aber mindestens bis km 30, aber die Oberschenkel zeigen deutliche Ermüdungen.

Also nur Gehpausen mit wenigen Sekunden und dann wieder weiter. Ich versuche es mit visualisierten Gedanken, in dem ich mich wie eine kräftige Lok schön gleichmäßig den Berg hocharbeite.

Momentan hilft es noch, aber ich weiß aus Erfahrung, dass das nicht ewig anhält. Das Zusammenspiel von Untergrund und Höhenmetern fordern ihren Tribut.

Siebengebirgsmarathon - km 25

km 25

Immer diese Anstiege…

Eigentlich habe ich ja nichts gegen Anstiege und mag sie auch, aber mit schlappen Beinen macht das irgendwie keinen Spaß.

Noch 3 km und wir erreichen Rheinland-Pfalz. Der “Grenzübertritt” scheint aber nirgendwo später angeschlagen zu sein.

Eisiger Wind und Schnee sind immer noch ein treuer Begleiter. Manchmal hört man so richtig den Wind über den Bäumen tosen.

Man sieht zwar nichts außer Bäumen, dafür läuft man meistens aber windgeschützt.

Siebengebirgsmarathon

km 26-27

Siebengebirgsmarathon km 26 - 27

km 26 – 27

Augenbrauen, Ziegenbart, der Ärmelansatz, alles ist durch die kleinen, spitzen Wassertropfen vereist.

Die GoPro ist so eingestellt, dass sie sich auf Knopfdruck automatisch fürs Filmen einschaltet und entsprechend wieder abschaltet. Völlig untypisch bleibt trotzdem der Bildschirm nach dem Ausschalten noch ca. 30 Sek. an. Mal schauen, wie lange das gut geht. 

Siebengebirgsmarathon - km 28

km 28

Es wird mal wieder Zeit für einen VP. 🙂

Die hohe VP-dichte ist bei so einem Lauf ein großer Vorteil.

Die ersten Kilometer nach dem VP freut man sich noch an dem Tee, der Abwechslung usw. und dann kann man sich schon wieder auf dem nächsten freuen.

Bis auf einem VP gab es immer warmen Tee. 🙂

Siebengebirgsmarathon VP 6

VP 6

Gerade noch gedacht, es müsste bald mal wieder ein VP kommen und wenige hundert Meter später ist er da. 🙂

Respekt und ein riesiges Dankeschön an all die fleißigen Helfer, egal ob als einsamer Streckenposten in einer Enklave ausharrend oder ungeschützt am Büfett stehend. Sie hatten immer ein freundliches Wort für die Läufer und man merkte, wie sie mit Begeisterung dabei waren. Das einem sogar die Banane freigeschält wurde, sehr komfortabel. 

Der nächste oder übernächste VP hatte einen Heizstrahler gehabt. Was macht man mit einem Heizstrahler? Richtig, man wärmt die Bananen an. 🙂

Siebengebirgsmarathon - km 29

km 29

Auch wenn mir selber nicht kalt war, der Elektronik war es zu kalt gewesen.

Irgendwann hörte ich meine Frau in der Brusttasche reden. Das iPhone hatte sie schon mehrmals automatisch angewählt gehabt, schrieb sie per SMS. Da bin ich ja froh, dass kein Notruf automatisch gewählt wurde. Der Lautsprecher schien ein wenig zugefroren zu sein, denn mit Verständigung war nicht viel. Wenig später ließ sich auch die GoPro nicht mehr einschalten.

Das nächste Mal kommt das iPhone nach hinten in den Rucksack und für die GoPro muss ich mir eine Isolierung überlegen.

Siebengebirgsmarathon - km 39

km 39

Das Ende ist nah und doch so fern.

Die GoPro hatte ich jetzt eine Weile in der Trikot-Tasche aufgewärmt und nun ließ sie sich wieder einschalten.

Bald erreichen wir den Ort Himberg, der in eins übergeht in Aegidienberg.

Als hätten wir losen Schnee nicht schon genügend gehabt. Auf dem weichen, rutschigen, matschigen Schnee auf Asphalt fanden die Füße kaum halt beim Laufen; sie rutschen vorwärts, rückwärts, seitwärts. Frisch und munter mag das ja für ein paar Meter lustig sein, aber nicht nach 40 km. Bekanntlich hat alles ein Ende, auch dieses Stück.

Siebengebirgsmarathon- km 40

km 40

Glücklicherweise ging es auf dem letzten Stück meistens leicht abwärts und nun in Aegidienberg war dem Schnee auf dem Bürgersteig wieder festgetreten.

Das Durchlaufen auf den letzten Kilometern kostete noch einmal Überwindung. Von hinten drohte zwar keine Gefahr, aber so lange kein Anstieg kam, gab es auch keine Ausrede für die Gehpause. Wie lang doch 2 km sein können…

Siebengebirgsmarathon - Zieleinlauf

Zieleinlauf im Bürgerhaus, cool, hat was, schöne Idee. 🙂

Persönliche Begrüßung, Medaille und dann realisiert man so ganz langsam, man hat´s geschafft.

Bei den Beinen wird, warum auch immer erst im Ziel, ein Schalter umgelegt und selbst das langsame Gehen wird nun beschwerlich.

Also erst einmal langsam zur “Recreation Bar” mit den müden, schweren Beinen.

An der “Tankstelle” gibt es leider kein Bier, daher wird als Ersatz von allem etwas genommen, Cola, Iso, Tee und noch einmal eine Runde.

Epilog

Auf der Empore beginnt nun ein gemächliches Umziehen, anschließend quält man sich die Treppe herunter, um sich mit Kaffee und Kuchen zu stärken. Währenddessen beginnt die Siegerehrung und Moritz Auf der Heide hat mal wieder gewonnen. Selbst wenn er mit Spikes gerannt ist, finde ich die Zeit unten den Bedingungen einfach nur surreal.

Zwischendurch wurde ein Läufer interviewt, der jeden Lauf mitgemacht hat, 18 an der Zahl. Auf die Frage welcher der Härteste war, kam als Antwort: Dieser

Fazit

Sie sagen von sich selber, dass er der schönste Wintermarathon ist. Ob es “der” ist vermag ich nicht zu beurteilen, da dies erst mein zweiter Wintermarathon ist, aber das es ein schöner und sehr gut organisierter Wintermarathon ist, das kann man auf jeden Fall sagen.

Noch mal ein großes Dankeschön an die Organisation und die vielen Helfer, die uns bei diesem brutalen Wetter zur Seite gestanden haben.

Dies war ein Winterlauf gewesen, der seinem Namen alle Ehre macht.

Siebengebirgsmarathon 2017 Medaille

Zeit: 04:24:23

AK: 33 von 70

Gesamt: 164 von 372

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